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Wir radeln zum Bahnhof und für heute werden sie hier geparkt, denn wir nehmen die Seilbahn nach Oberbozen. Das leicht nach Süden geneigte und daher von der Sonne verwöhnte Plateau oberhalb von Bozen nennt sich Ritten, das vom Rittner Horn gekrönt wird. Zwischen Wiesen, Weiden und Wäldern liegen kleinste Ortschaften, die sich nett erwandern lassen.

Wir sind also in Oberbozen – gekommen mit der Seilbahn, die in 11,31 Minuten über den Berg geschwebt ist. Sie ist mit 5 km die längste Seilbahn der Welt, die im Personenverkehr genützt wird und ist damit im Guinness Buch der Rekorde. Weiter geht es von Oberbozen anschließend mit der sogenannten „Bahnl“, eine über hundertjährige (2007) Schmalspurbahn. Heute ist Sonntag und wunderschönes Wetter, also alle nichts wie raus! Wir warten gemeinsam mit Massen von Pensionisten auf das Bahnl und kaum fährt der Zug ein, stürmen die alten Herrschaften auch schon in den Waggon – dabei wollten eigentlich zuvor einige Fahrgäste hier aussteigen! Sitzplatz bekommen wir natürlich keinen, aber Umfallen ist zum Glück nicht möglich.

Der Grund für das Massenaufkommen von Touristen sind die Erdpyramiden des Ritten. Sie sind auch für Gehfaule, Gehbehinderte und Kinder leicht zu erreichen. Bei den Erdpyramiden handelt es sich um spitze Erdtürme mit „Hüten“ – jene von Ritten sind die formschönsten und höchsten in Europa. Eiszeitliche Gletscher haben Moränenlehm in Tälern abgelagert und wenn große Steine im Lehm eingelagert sind, so wird das darunter liegende Material vor dem Regen geschützt und bleibt hart. Sollte aber der Deckstein von der Spitze einer Pyramide fallen, so ist diese dem schnellen Untergang geweiht, denn das Material ist schutzlos dem Regen ausgesetzt und wird abgetragen.

Wir entscheiden uns für eine Wanderung, wo der Weg an solchen Erdpyramiden vorbei führt. Der halbstündige Weg geht durch lichten Wald und von mehreren Aussichtsterrassen sind sie wunderschön zu sehen. Von dort haben wir auch einen traumhaften Ausblick auf die Dolomiten, die heute aber leicht im Wolkenschleier liegen. Auch Maria Saal, der winzige Ort, der auf einer Bergkuppe thront, ist schön zu sehen. Wir wandern entlang saftiger Almwiesen mit gutem Graserl und vielen Bergblumerl für die Kühe.

In Maria Saal kehren wir im Dorfgasthaus ein, um erstens zu rasten und was noch wichtiger ist, Leckeres zu essen. Die Teigtaschen mit Steinpilzfüllung und Bergkäse schmecken uns wunderbar und kräftigen uns für die Fortsetzung unserer gemütlichen Wanderung. Gemütlich, dachten wir zu diesem Zeitpunkt noch! Ab hier wandern nicht mehr so viele Leute mit uns. Vorbei an der Pension Enzian, wo wir noch Freude mit dem vielen Gefieder (Hühner, Perlhühner, Truthähner, Fasane und einen Pfau) haben, geht es ab jetzt für eine dreiviertel Stunde in die reinste Bergwertung.

Schweißnass erreichen wir Bad Siess und dort lacht uns schon von weitem ein Gastgarten entgegen. Wir freuen uns schon auf den Cappuccino und einem Apfelstrudel, der in ganz Südtirol angepriesen wird. Ein Platzerl haben wir auch schnell gefunden, nur leider niemanden, der unsere Bestellung entgegen nimmt. Nachdem mehrmals Kellner vorbei laufen und jeder antwortet, dass nur der Chef aufnimmt, der aber wiederum spurlos verschwunden zu sein scheint, beschließen wir auf die Stärkung zu verzichten und weiter zu wandern. Wir müssen auf unserem Weg eh nochmal durch einen Ort, vielleicht gibt´s da dann etwas.

Denkste, denn wir passieren ihn, ohne etwas davon mitbekommen zu haben. Hier gibt es ein großes Hotel für Wanderurlauber und sonst nur einige beeindruckende Bauernhöfe, schön dekoriert und mit Namen beschriftet.

Was wir vor Stunden an Weg hochgestiegen sind, müssen wir natürlich auch wieder hinunter und zwar ab jetzt. Der Wanderweg führt nun großteils durch Wald und Kuhweiden.

Als wir die 11,3 km Wanderstrecke geschafft haben, brennen uns ordentlich die Füße. Wir brauchen Gott sei Dank nicht lange auf das Bahnl und dann auf die Seilbahn zu warten und erreichen kurz nach 17:00 Uhr wieder den Bozner Bahnhof.

Am Campingplatz angekommen tun uns die Füße vom Wandern noch immer weh, die Arschbacken schmerzen vom Fahrradsitz und wir haben zudem noch ordentlichen Hunger. Während wir die Maschine unsere Wäsche waschen lassen, bemühe ich mich etwas zu kochen – was richtig schwierig ist. Die Gasflammen unseres Campervans sind so mies, dass ich neulich schon zum Kochen von Pudding fast eine halbe Stunde gebraucht habe!

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