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Wir stehen spät auf und nach einer Runde Fußball mit Ammanuel brechen wir gegen Mittag nach Bellinzona auf. Seit 1803 ist Bellinzona die Hauptstadt des Tessins. Dennoch sind Lugano, Locarno und sogar Ascona weit bekannter. Die eidgenössische Verfassung sah zunächst einen turnusmäßigen Wechsel mit Locarno und Lugano vor, denn alle sechs Jahre sollte die Hauptstadtwürde von der einen an die andere Stadt weitergereicht werden. Endgültig durchsetzen konnte sich Bellinzona erst 1878. Man entschied sich damit für die Stadt in der Kantonsmitte, gleich weit von der Nordgrenze zum Kanton Uri und von der Südgrenze zur italienischen Lombardei entfernt.

Sie wird noch heute aufgrund ihrer trotzigen Festungen „Stadt der drei Burgen“ genannt. Die höchstgelegene und kleinste der drei Burgen ist das Castello di Sasso Corbaro. Sie wurde 1478 in nur sechs Monaten gebaut. Die quadratische Anlage mit Wachturm, Kapelle und kleiner Osteria bietet einen grandiosen Rundumblick, vor allem weil wir heute so schönes Wetter haben. Leider können wir die Burg nur von außen bewundern, denn außer einer modernen Bildergalerie bleiben uns Einblicke ins Innere verwehrt. Wir bleiben daher nicht lange und suchen uns im Stadtzentrum einen Parkplatz. Wir schlendern durch die Altstadt mit ihren versteckten Plätzen und Patrizierhäusern. Das Herzstück der Stadt bildet der Piazza Collegiata mit der Kirche Santi Pietro e Stefano. Eine monumentale Freitreppe führt vom Platz in die 1517 erbaute Renaissancekirche.

Wenige Schritte entfernt vom Palazzo Civico – dem Rathaus – ist der Aufgang zum Castel Grande. Es galt lange Zeit als uneinnehmbar und spielte im Laufe der Jahrhunderte immer wieder eine wichtige Rolle bei nach Norden gerichteten Offensiven und Gegenschlägen der Herrscher Mailands. 1340 fiel Bellinzona nach langer Belagerung durch Mailand für eineinhalb Jahrhunderte unter dessen Herrschaft. Castel Grande ist die größte Festung der Stadt und wäre auch per Lift leicht erreichbar. Wir wählen aber die etwas beschwerlichere Variante und gehen zu Fuß. Als Belohnung spazieren wir gleich direkt ins Restaurant. Bei einem Panorama wie in einem Fotoalbum und herrlichem Wetter genießen wir unser Essen: Gnocchi de patate con mozzarella, tomate e basilicum und polenta con funghi e formaggio – köööööstlich!!! Danach erklimmen wird die 177 Stufen des 27 Meter hohen Torre Bianca. Von dort ist die Aussicht über Stadt und Tal besonders eindrucksvoll. Nach einem gemütlichen Rundgang entlang der Burgmauer verabschieden wir uns und suchen den Weg zum Castello di Montebelli.

Wir fahren ein paar Mal im Kreis, die Burg ist zum Greifen nahe, aber immer wieder weicht die Straße ab oder wir stehen vor einer Einbahn. Fluchend gelingt es uns dann doch den richtigen Weg zu finden. Für uns persönlich ist es die schönste Burg von den dreien. Sie besitzt zwei Zugbrücken und einen schönen Innenhof. Von dort gelangt man direkt in ein mehrgeschossiges Museum. Wir verbringen eine Zeitlang mit dem Betrachten vieler alter Landkarten, Küchenutensilien, Schmuck und auch Gewehre. Aber auch hier gibt es keine Räume mit alter Ausstattung zu besichtigen. Das tut uns ein wenig leid, denn zu einer echten Burg gehören auch Rittersäle, Zofenkammern und ein Kerker. So bleibt uns mehr Zeit zum Relaxen. Nach einem Rundgang auf den Wehrmauern legen wir uns im Burggraben in die Wiese und genießen ein Nickerchen im Halbschatten.

Ende des 13. Jahrhunderts entstand auf dem Felssporn östlich von Bellinzona das Castello di Montebello. Um 1350 wurde das Castello di Montebello vergrößert und mit Schenkelmauern an die Stadtbefestigung Bellinzonas angeschlossen. Kurz nach 1400 entstand auf einem erhöhten Felskopf der östlichen Bergflanke ein Turm, der Kern des späteren Castello di Sasso Corbaro. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Castel Grande und Montebello mit weiteren Befestigungsanlagen verstärkt und auf dem Castel Sasso Corbaro entstand ebenfalls ein Kastell. Der imposante Anblick der heutigen Befestigungen in Bellinzona geht im wesentlichen auf die Bautätigkeit der Herzöge von Mailand zurück.

Am späten Nachmittag spazieren wir noch einmal ein paar Runden in der Altstadt.

Wir sind vom vielen Herumlaufen und dem warmen Wetter ein wenig geschafft, doch da kennt Ammanuel kein Pardon. Es hilft nichts, wir „müssen“ mit ihm noch ein Fußballtraining absolvieren. Dafür belohnt uns Sabine mit einer herrlichen Pasta. Ein paar Runden UNO schließen einen schönen Urlaubstag ab und müde fallen wir in unsere Schlafsäcke.

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