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Noch vor dem Frühstück belagert uns Ammanuel. Wir basteln und bemalen gemeinsam Papierflieger, Drachen, Himmel-Hölle und Papierhüte. Es ist eine wahre Freude, mit welcher Begeisterung der Kleine dabei ist. Er ist zwar sehr anstrengend, aber ein total süßer Kerl. Er guckt mit seinen dunklen Augen voller Erwartung und lacht aus vollem Herzen, wenn der Papierhubschrauber drehend zu Boden gleitet. Ammanuel kann mit so einfachen Dingen so genügsam sein, wie man es bei Kindern nicht oft findet.

Nachdem wir noch eine Zeitlang mit Fotoschauen verbringen, bauen wir mit tatkräftiger Unterstützung von Ammanuel unser Zelt ab und packen zusammen. Es bricht uns fast das Herz wie uns Ammanuel anschaut, als wir uns kurz nach Mittag verabschieden.

Unser Tag führt uns heute nach Ascona. Wir finden auf Anhieb den kostenlosen Parkplatz, den uns Sabine als Geheimtipp empfohlen hat. Bei unserem Spaziergang durch die Altstadt kehren wir in der Konditorei Camelia ein und kaufen uns zwei Treccia Pannetone (Briochezopf mit kandierten Kirschen –lecker! Absoluter Geheimtipp von uns). Seit wir diese Köstlichkeit beim letzten Aufenthalt aßen, war er im Gehirn gespeichert.

Im Hafen angekommen, kaufen wir uns Tickets zu den Brissago Inseln – ein Pflanzenparadies! Vom Wasser umspült, von den Alpen geschützt und von der Sonne geküsst, bieten diese wunderschönen Inseln dem Besucher eine einmalige Gelegenheit einer spannenden Weltreise. Die Inseln rühmen sich eines besonders milden Klimas, sodass empfindliche subtropische Pflanzen das ganze Jahr im Freien wachsen können. Der botanische Garten (2,5 ha) ist mit ca. 1.500 Pflanzenarten aus dem Mittelmeerraum, den Subtropen Asiens, Südafrika, Amerika und Australien bewachsen. Sehenswertes außer Rhododendren, Azaleen und Kamelien, typische insubrische Gärten, die im Frühling ihre volle Blütenpracht entfalten, findet man verschiedene Palmen- und Bambusarten, Sumpfzypressen, hundertjährige Eukalyptusbäume, Zistrosen aus dem Mittelmeerraum und Baumfarne aus Ozeanien.

Die Baronin Antoinette de Saint Léger tauchte 1885 im Tessin auf und niemand wusste, wer sie war und woher sie kam. Russische Großfürstin oder Kurtisane, irisches Landmädel oder doch Deutsche? Sie kaufte
jedenfalls die Brissago Inseln für 15.000 Franken und schuf sich dort ihren eigenen Garten Eden. Zusammen mit ihrem Mann, dem irischen Baron Saint Léger trug sie Samen und Pflanzen aus allen Weltecken zusammen, entwarf ein prächtiges Schloss und sammelte Maler, Dichter und Lebemänner um sich. Vielleicht war das der Grund, warum ihr Gatte sie 1897 auf den Inseln sitzen ließ. Die „Frau im See“ musste 1927 ihren Besitz verkaufen und starb 1948 völlig verarmt 92-jährig im Centovalli. Käufer war der Hamburger Kaufmann Max Emden, kaum weniger exzentrisch als die Frau Baronin. Er sprengte als erstes das Schloss und ließ einen neoklassizistischen Palazzo und einen Hafen errichten, an dem das Hamburger Wappen prangt. Die Pflanzen hingegen pflegte der weitgereiste Weltmann, baute den Park sogar aus, gab ihm seine heutige Form und machte ihn zum Mittelpunkt wilder Feste, über die Einheimische nur die Nase rümpfen konnten. 1949 kauften die drei Ufergemeinden Ascona, Brissago und Ronco sowie der Kanton Tessin die Inseln, gründeten den Botanischen Garten und machten ihn zu einem Urlaubsmagneten.

Blauer Himmel und kleine Schäfchenwolken prägen das Bild und es hat wunderbare 29°. Wir genießen den langen Spaziergang auf der Insel und inmitten vieler Blumen packen wir unser Picknick aus.

Im kleinen Teich, der mit verschiedenfärbigen Seerosen dicht bewachsen ist, tummeln sich Schildkröten. Überall zwischen den Blumen, Büschen und Bäumen „wuseln“ Unmengen von kleinen Echsen herum. Wir nützen die Wartezeit auf das Ausflugsboot mit Lesen und genießen die Ruhe und die Nachmittagssonne. Mit dem Boot unternehmen wir noch eine eineinhalbstündige Rundfahrt auf dem Lago Maggiore.

Gegen 18:00 Uhr erreichen wir Aurigeno, wo wir unser Rustico beziehen. Neben den Hotels und Pensionen sind Rustici eine sehr gute Alternative. Die renovierten oder im alten Stil nachgebauten Steinhäuser bieten eine komfortable Grundausstattung. Jenes von Elsbeth Leutwiler übertrifft da alle Erwartungen. Das ist mit ein Grund, warum wir wieder gekommen sind, denn im Herbst 2001 verbrachten wir bereits unseren Aufenthalt hier. Sie hat mit so viel Liebe und Detail dieses schmucke Häuschen eingerichtet, dass wir es nur wärmstens weiterempfehlen können. Außerdem empfängt sie immer ihre Gäste mit Überschwang und einer Überraschung. Diesmal erhalten wir von ihr ein gutes Flascherl Vino Ticino. Letztes Mal war es echte Schweizer Schokolade.

Nach einer wohltuenden erfrischenden Dusche machen wir noch Pläne für morgen.

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