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Monte Carasso, der Ausgangsort unserer Wanderung, liegt zwischen Locarno und Bellinzona. Von dort führt eine Seilbahn nach Mornera (1.400 m). Wir schweben knapp über dem Blätterdach, das von der zur Zeit blühenden Kastanie beherrscht wird.

Die Kastanie ist die vorherrschende Pflanze unterhalb der 1.000- Metermarke. Die mächtigen Bäume, von den Römern um Christi Geburt eingeführt, sind fast so etwas wie ein Markenzeichen des Tessins und werden seit dem Mittelalter für Mensch und Tier intensiv genutzt. Die Edelkastanie duldet neben sich nur selten andere Pflanzen. Vereinzelt mischen sich Birken und als Farbtupfer auch der Ginster in den Wald. Von oben ist das sehr schön anzusehen. Kleine Ansiedlungen, wo man sie nie vermuten würde, sind zwischen den Bäumen zu finden.

Die Wanderung startet auf einem alten Fahrweg, der Mornera in südöstlicher Richtung verlässt. Nach ca. 15 Minuten sollten wir einen kleinen See erreichen. Nur als nach einer halben Stunde dieser noch immer nicht in Sicht ist, wissen wir, dass wir  wie so oft in unseren Urlauben – falsch unterwegs sind. Explorer, die wir sind, finden wir nach kurzer Zeit doch den richtigen Weg wieder und gelangen dann zum romantisch gelegenen See Laghetto. Er liegt an eine Waldlichtung, umrandet von einer weichen Waldwiese. Wir verweilen kurze Zeit dort und wandern anschließend durch den Wald auf etwas rutschigem Laub weiter. Wir werden ständig von kleinen Echsen und prächtigen Schmetterlingen begleitet.

Wir erreichen die Alpe Monda und schon von weitem hören wir das Geläute einer großen Ziegenherde. Einige Meter weiter machen wir in einer Waldlichtung Mittagsrast. Es ist kein Wölkchen am Himmel zu sehen und herrlich warm. Außer dem Gezwitscher der Vögel herrscht totale Ruhe. Die Brote und das Obst schmeckt in der guten Bergluft besonders gut.

Gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg. Wir stellen aber bald fest, dass wir uns schon wieder verlaufen haben, denn es ist keine Markierung mehr zu finden. Deshalb marschieren wir bis zur Alm zurück und fragen nach dem Weg. Mit Händen und Füssen versuchen die Jugendlichen uns zu erklären, dass unser Wanderweg eigentlich nicht mehr existent ist. Sie zeigen uns trotzdem die Richtung mitten durch den Ziegen- und Schweinestall hindurch. Anfangs finden wir noch ein paar alte verwitterte Markierungen, aber dann stehen wir mitten in einem Birkenwald und das Wegerl ist zu Ende. Wieder ein paar Schritte zurück, finden wir doch einen bemalten Stein. Mehr als eine Stunde geht es bergab und die Füße brennen schon ordentlich. Nach einer kurzen Rast, bei der wir uns mit dem leckeren Pannetone stärken, nehmen wir das letzte Stück in Angriff. Plötzlich stehen wir mitten auf einer Kuhweide, rundherum eingezäunt. Da ist es aus mit unserer Wanderlust! Etwas grantig geht es wieder einmal zurück, bis wir wieder den richtigen Pfad finden. Nach mehr als dreieinhalb Stunden erreichen wir schließlich die Mittelstation der Seilbahn.

Aber nicht genug der Probleme, jetzt sitzen wir dreißig Meter über dem Boden auf einer Gitterplattform und müssen eine halbe Stunde dort warten. Es muss erst eine Schulklasse ins Tal transportiert werden. Jedes Mal, wenn die Gondel vorbeifährt, vibriert die gesamte Plattform. Wir sind heilfroh, als dann endlich eine Gondel hält und uns ins Tal bringt.

Bei der Rückfahrt machen wir einen kurzen Halt in Ascona und belohnen uns mit einem köstlichen Eiskaffee. Dabei sehen wir den Reichen und Schönen mit ihren Armanihosen und Louis Viutton-Taschen zu, wie sie ihre Gold-Card spazieren führen!

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