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Wir packen leichte Jacken ein, denn es sieht gar nicht gut aus draußen. Das Thermometer im Auto zeigt 21° an. Das soll aber unserem Sightseeingdrang keinen Abbruch tun.

Heute fahren wir nach Lugano. Den ersten Teil der Strecke fahren wir auf der Passstraße über den Monte Ceneri, den Rest bis ins Stadtzentrum auf der autostrada. Ach wie blöd, jetzt haben total vergessen, dass wir ja gar keine Autobahnvignette geklebt haben!

Lugano ist mit seinen 28.000 Einwohnern die größte Stadt des Kantons. Aber für Autos ist wenig Platz an den Straßen, deshalb nehmen wir den erstbesten Autosilo. Wir finden dort auch auf Anhieb ein freies Plätzchen und schon geht es los.

Die Kathedrale San Lorenzo ist die Hauptkirche Luganos und liegt zwischen Bahnhof und Zentrum. Sie beeindruckt in erster Linie durch ihre Renaissancefassade im lombardischen Stil. Im Inneren stechen die farbenprächtigen Rosettenfenster ins Auge. Erbaut wurde die Kathedrale im 13. / 14. Jahrhundert und im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert.

Wir spazieren durch die schmalen Gassen der Altstadt über die Piazza Manzoni in die Via Nassa. Hier sieht man noch wunderschöne Arkaden und Fassaden mit lombardischem Charakter.

Am Ende der Via Nassa steht die Klosterkirche Maria degli Angiolo, erbaut 1515 und 1922 letztmalig renoviert. Äußerlich sieht sie etwas schmucklos aus, aber nicht ihre Größe oder Architektur beeindrucken, sondern das wohl berühmteste Renaissancegemälde der Schweiz, die Passion von 1529.

Schließlich gelangen wir zur Piazza della Riforma. Auf dem weltstädtischen Hauptplatz, regelmäßig für den Markt und unregelmäßig für Umzüge genutzt, reiht sich ein Kaffeehausstuhl an den nächsten. In den mächtigen Patrizierhäusern aus dem vorigen Jahrhundert haben sich Banken, Restaurants, Geschäfte und Hotels niedergelassen. Mit einer Ausnahme: der Palazzo Civico (1845 erbaut) mit einem repräsentativen Innenhof ist Sitz des Rathauses. Leider herrscht im Innenhof eine riesige Baustelle, sodass wir vom Staub verfolgt, sofort wieder flüchten.

Im gesamten Altstadtkern stellt der Mailänder Künstler Arnaldo Pomodoro (geboren 1926) seine teils übergroßen Objekte aus.

Lugano ist ein florierender Bankenstandort, der jede Menge auswärtige Kundschaft, insbesondere italienische Großverdiener, anlockt. In den zahlreichen Geldinstituten lässt man das Geld arbeiten und  Gerüchten zufolge bisweilen auch waschen. Entsprechend wird das Bankenviertel im Jahresrhythmus von Skandalen erschüttert. Doch Lugano lebt nicht von Banken allein. Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz haben hier ihre Zentralen, drei von vier Tessiner Zeitungen kommen aus Lugano, die wichtigsten Schulen sind hier zu Hause und die einzige Universität des Kantons wurde 1996 in Lugano gegründet.

Im Palazzo dei Congressi, dem Kongreßzentrum, gastieren die besten Orchester der Welt. Im Juli treffen sich die kreativsten Jazzmusiker beim Festival auf der laubengesäumten Piazza della Rirorma. Dazu jede Menge Sehenswürdigkeiten und natürlich die Lage am See, alles gute Gründe im so geschäftigen wie charmanten Lugano einige Urlaubstage zu verbringen.

Vom See her ist die Annäherung an die heimliche Hauptstadt des Kantons am eindruckvollsten, denn man überschaut alles auf einen Blick. Die Hausberge San Salvatore und Monte Brè, an deren Hängen prachtvolle Villen kleben, die geschwungene Promenade, flankiert von zwei üppigen Parks und die verwinkelte Altstadt mit ihren drei verschachtelten Marktplätzen  Rio im Kleinformat und San Salvatore ist der Zuckerhut! Wir schlendern entlang der Promenade durch das angrenzende Villenviertel bis zur Talstation der Funiculare, die uns auf den Monte San Salvatore hochbringt. Mittlerweile hat die Sonne wieder das Regiment übernommen und das leichte Lüftchen ist gut zu ertragen. Es sind sehr wenig Touristen hier oben und wir genießen die Ruhe, die gute Luft und die atemberaubende Aussicht über die Stadt und die umgrenzende Bergwelt.

Auf einem Bankerl liegend lassen wir uns die Sonne ins Gesicht scheinen und die Vögel sorgen für die Hintergrundmusik. Sonst ist nichts zu hören. So stellen wir uns das Paradies vor! Doch alles hat ein Ende…

Am späten Nachmittag kehren wir in die Stadt zurück und lassen uns in einem Café an der Piazza della Riforma gemütlich nieder. Der Eiskaffee, bestehend aus halb Kaffee und halb Schlagobers, ist nicht so mein Fall. Aber es ist lustig, die Menschen zu beobachten, denn auch hier sieht man, wie sie das Geld am Körper tragen. Braungebrannt, tiefe Dekolleté und hochhackige Schuhe sind hier üblich. Wir fallen mit unseren T-Shirts und Wanderschuhen richtig auf!

Die Rückfahrt riskieren wir wieder auf der autostrada, obwohl uns nicht recht gut dabei ist.

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2 Kommentare zu „14.06.04 – Lugano

  • 24. September 2015 um 14:37
    Permalink

    Hallo,
    Das hört sich richtig gut an. Auch ich will bald in Lugano Urlaub machen. Danke für eure Urlaubserlebnisse! In welcher Unterkunft wart ihr denn? Mir wurde La Residenza empfohlen. Kennt ihr das? Es hört sich toll an und hat eine perfekte Lage. Nur 50 m vom See entfernt!

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