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Trotz der Müdigkeit habe ich fast nichts geschlafen, denn das Haus ist leider sehr hellhörig und mein leichter Schlaf wurde mehrmals durch Schritte oder die Klospülung von oben unterbrochen. Das tut aber der Urlaubsfreude und dem Unternehmergeist keinen Abbruch. Also packen wir nach dem Frühstück das Wichtigste in unseren Rucksack und kurz nach 09:00 Uhr sitzen wir schon im Auto. Bei 15° und schwarzen, tief herabhängenden Wolken beginnen wir uns erste Sorgen zu machen. Als es kurz darauf auch noch zu nieseln anfängt, schmeißen wir unsere heutigen Pläne über den Haufen und steuern wieder Richtung Valencia. Schlechtwetterprogramm ist angesagt!

Unser erstes Ziel ist der 1928 eingeweihte Mercado Central, mit 8.000 m² eine der größten Markthallen Europas. Eine der schönsten noch dazu, denn die Kombination der weißen Stahlträger, der dunkelbraunen Holzbalken mit dem Glas und den bunten, bemalten Azulejos ist einfach einzigartig. Nicht zu toppen ist auch das Angebot, dass wir hier vorfinden. Feinschmecker kommen voll auf ihre Kosten, denn es reiht sich ein Verkaufsstand mit spanischen Spezialitäten an den anderen. Und alles sieht so lecker aus! Die Farbenpracht und die Düfte, die sich hier vermischen, überwältigen uns total.

Egal, ob man Lust auf Obst oder Gemüse – wie die prächtigen Paprika, die makellosen Orangen, die süßen Erdbeeren – oder auf Fleisch und den berühmten Serranoschinken hat, es gibt hier einfach alles. Selbst grüner Käse und lebende Weinbergschnecken sind hier zu erstehen! Auch wir können dem Reiz nicht widerstehen, aber nicht auf die schleimigen Viecherl, sondern auf fluffige Croissants mit jamón, queso, tomate und lechuga – und das für 1,50 Euro pro Stück! Als wir den Foto- und Filmkameras mal eine Pause gönnen, schlendern wir noch gemütlich durch die Fischhalle. Da ist aber fast nichts mehr los, denn die sind früh morgens unterwegs und es ist ja schließlich schon nach Mittag – also Siestazeit.

Nach mehr als zwei Stunden zippen wir wieder unsere Windjacken bis oben hin zu und kämpfen uns durch die riesige Baustelle, die am hinteren Teil der Markthalle liegt. Die Parkgarage ist schnell erreicht und dann verlassen wir die Altstadt und fahren in die Ciutat de les Arts i de les Cièncias (Stadt der Künste und Wissenschaften). Der Regen zwingt uns, dass wir uns diese wundervollen Kunstwerke der Architektur von außen leider noch nicht ansehen können.

Daher liefern wir unseren Obolus von mehr als 23 Euro pro Person ab und widmen uns dem L´Oceanogràfic, Europas größtem Aquarium. Was wir hier zu sehen bekommen, das hätten wir in unseren kühnsten Träumen nicht erwartet. In vielen großen und kleinen Aquarien können wir Wassertiere bewundern, die teilweise an Formen und Farben aus Zeichnungen einer naiven Kinderhand entstanden sein könnten. Da gibt es Flundern, getarnt wie der Kies, der im Becken liegt. Sie sind nur auszumachen, wenn sie ihre Augen bewegen. Die Minirochen, nicht größer als eine Handfläche, stehen aber in ihrer Eleganz den Exemplaren, wie wir sie von Australien kennen, nicht nach. Die Erdbeeranemonen sind so pink gefärbt, dass man am liebsten gleich reinbeißen möchte. In einem Becken daneben schwebt ein menschengroßes Meerestier – ups, das ist ja ein Mensch und er füttert seine Zimmergenossen. Den Sepia hat der Lagerkollaps schon erwischt, denn er „klopft“ ständig mit seiner Stirn gegen die Scheibe. Ob wir mal zurück klopfen sollen, vielleicht will er sich mal unterhalten? Auch die Robben haben leider schon einen Klaps im Hirn, denn spätestens nach der zweiten gleichen Runde wissen wir, dass er sich wieder am Beckenrand auf den schiefen Boden legt und runterrutschen lässt – ist aber trotzdem nett zum Zusehen.

Laut Plan wäre das nächste Ziel der Bereich mit den Vögeln in einer Außenvolière. Wir starten auch einen Versuch, aber als wir sehen, dass selbst die Pinguine der Regen zur Trägheit zwingt, suchen wir den Weg zurück zu den Aquarien. Einen kurzen Stopp aber widmen wir den Scarlet Ibissen, denn sie sehen aus, als wären sie gerade eben in den roten Farbtopf gefallen. Und diese intensive Farbe sticht im Grau der Wolken prächtig hervor.

Weiter geht es also mit den teilweise sehr kuriosen Wassertieren. Einer Giant Spider Crab möchte ich nicht unbedingt im Wasser begegnen, denn mit einer Spannweite von 330 cm sehen sie echt bedrohlich aus. Um eine solche Größe zu bekommen, brauchen sie bis zu 50 Jahre. Übergroß sind auch die Pink Sea Stars, Seesterne mit 55 cm Durchmesser und in Zuckerlrosa. Ungewöhnlich ist der Pinconefish, ein gelber Fisch mit Ananaszeichnung. Da sind die „Nemo´s“ gleich nebenan nichts Besonderes mehr! Elegant, ja fast zerbrechlich wirken die Seedrachen und die Quallen, die sanft im Wasser schweben. Im nächsten Becken wächst Seegras 30 cm täglich und bis zu 15 Meter hoch – ein richtiger Urwald!

Es ist schon ein Wahnsinn, was die Natur für Wunderwerke zustande bringt und das was wir bis jetzt gesehen haben, ist noch lange nicht alles. Denn jetzt kommen wir zum Wassertunnel mit  Rochen, Sägefischen, Haien und vielen anderen mehr. Übrigens, bei den Haien gibt es mehr als 368 Spezies. Am Beckenboden wuseln die komisch aussehenden Horseshoe Crabs herum, die mehr mit den Spinnen verwandt sind, als mit den Krabben. Oh, was ist denn das für ein Monster? Ein riesiger, runder Fisch und außerdem ohne Flossen. Da im gesamten L’Oceanogràfic überall Tafeln mit Fotos und Namen der Tiere angebracht sind, wissen wir jetzt auch, dass es sich bei diesem komischen Fisch um einen Sunfisch (Mola mola) handelt. Er wird bis zu drei Meter groß und ist ein Knochenfisch, der an und für sich sehr scheu ist, es sei denn, er fühlt sich bedroht.

Im letzten Raum, den wir besuchen, sind die Pinguine, Belugas und Walrösser zuhause. Letzteren sehen wir eine Weile beim Spielen zu oder ist das doch Raufen? Dann müssen wir uns aber sputen, um zur Delphinshow zu Recht zu kommen. Zweimal am Tag zeigen die Tiere unter Anweisung von Trainern die brav einstudierten Figuren und Sprünge, um sich dann prompt die Belohnung abzuholen. Auch ein Abschiedsständchen geben sie zur Freude des Publikums zum Besten.

Tja, es ist fast genau 18:00 Uhr und wir sind laut Parkuhr genau 4 Stunden und 43 Minuten (für 8,45 Euro) im L´Oceanogràfic gewesen. Wir sind reich an Informationen und Eindrücken und können allen, die mal in Valencia vorbei schauen, nur wärmstens empfehlen, diesem Riesenaquarium auch einen Besuch abzustatten. Das gehört wirklich zum Pflichtprogramm!

Ein interessanter und lehrreicher Tag geht zu Ende und weitere werden sicher noch folgen – und darauf freuen wir uns schon!

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