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Versuch Nr. 2 den südlichen Teil der Costa Blanca zu erkunden und es sieht heute besser aus. Es hat zwar in der Früh nur 13° und es ist sehr windig, aber das Wichtigste ist, dass kein Regen in Sicht ist. Stellenweise grinst sogar schon die Sonne zwischen den Wolken durch und das stimmt uns zuversichtlich.

Die Umgebung entlang der Autopista ist wieder wunderschön anzusehen – Orangenplantagen soweit das Auge reicht. Dazwischen mal Olivenbäume oder riesige Oleander. Und natürlich immer wieder kleinere Ansiedlungen, wobei manche Häuser wie Schwalbennester auf den Abhängen kleben.

Bei Benidorm erreichen wir das Meer und die Skyline erinnert uns ein wenig an Manhattan. Nach der Bautätigkeit zu schließen scheint es sich hier um ein großes Einzugsgebiet zu handeln. Wir lassen diese und auch die nächste große Stadt Alicante hinter uns und nehmen erst die Ausfahrt nach Elx (Elche).

Für diese Stadt charakteristisch sind die vielen Dattelpalmen. Sie schließen diese in einem großen grünen Gürtel von 2 km Länge und 1 km Breite ein und beherbergen etwa 200.000 Exemplare. Der Palmenhain ist jedoch kein natürlicher Wald, sondern eine Kulturlandschaft, die für die landwirtschaftliche Produktion angelegt wurde. Es ist wahrscheinlich, dass in dieser Gegend in ferner Vergangenheit bereits Palmen wuchsen. Die heutigen Anbautechniken und das Bewässerungssystem gehen auf die Oasenkultur der Araber zurück. Elx wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, als Beispiel für den Transfer einer typischen Kulturlandschaft von einem Kontinent auf einen anderen – in diesem Fall von Nordafrika nach Europa. Weiterhin betonte die UNESCO die besondere Bedeutung des alten Bewässerungssystems, das noch heute in Betrieb ist.

Unser erster Weg führt uns in den Stadtpark, wo sehr harmonisch der Palmenhain mit vielen anderen mediterranen Pflanzen, Rosenbeeten und Zitrusbäumen ergänzt wurde. Dazwischen kleine Brunnen mit den bemalten Azulejos, Bankerl und Türme, das sieht echt nett aus. Alles ist liebevoll gestaltet und sehr sauber. Das genießen nicht nur wir, sondern auch viele Mamis mit ihren Kindern, denn am Rand des Parks gibt es noch einen großzügig angelegten, stark frequentierten Kinderspielplatz.

Nicht weit entfernt steht auf einem kleinen Platz die aus dem 17. Jhdt. stammende Basilika Santa Maria. An dieser Stelle stand 1265 ursprünglich die Moschee, bevor 1672 mit dem Bau des bis heute erhaltenen Gotteshauses begonnen wurde. Deutlich sind verschiedene Baustile zu erkennen, da bis zur Vollendung 1783 viele Architekten beteiligt waren. Geschmückt wird das Gotteshaus von einer großen, tiefblauen Kuppel, dessen Fliesen im Sonnenlicht strahlen. Die Kirche ist in Kreuzform angelegt, verfügt über eine beeindruckende Orgel und schöne Buntglasfenster. Einzig die elektrischen „Gedenkkerzerl“ gefallen uns überhaupt nicht! Für 2 Euro pro Person dürfen wir die 167 Stiegen des Kirchenturms hochsteigen und die Plagerei lohnt sich. Von hier oben haben wir nicht nur einen schönen Ausblick auf die Stadt rundherum, sondern auch auf das Palmeral, das aus mehreren Gärten besteht. Im Huerto del Cura, einem Teil des Palmerals, wächst die berühmte Königspalme. Es handelt sich hier um eine 150 Jahre alte Palme mit 7 Armen und Kaiserin Sissi von Österreich war von ihrem Anblick so angetan, dass sie daraufhin Kaiserpalme benannt wurde.

Wieder im Inneren der Kirche angelangt lesen wir uns den erhaltenen Flyer durch. Die Basilika von Elx besitzt als einzige katholische Kirche das Privileg, dass in ihren Mauern ein religiöses Theaterstück aufgeführt werden darf. Es handelt sich hier um das „Ministerio de Elche“, bei dem es inhaltlich um den Tod der Gottesmutter, ihrer Aufnahme in den Himmel und ihrer feierlichen Krönung durch die Hl. Dreifaltigkeit geht. 2001 wurde es von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die Verehrung der Bevölkerung für ihre Gottesmutter zeigen sie bei der Prozession mit einer lebensgroßen Marienstatue – dabei werden kleine, religiöse Zettelchen von den Balkonen geworfen.

Bei einem abschließenden Außenrundgang können wir noch die reich verzierte Fassade und das schmuckvolle Haupttor bewundern. Daneben besitzt die Kirche noch weitere 7 kleine Portale.

Hunger macht sich breit und daher machen wir es uns in einem Café am Kirchenplatz gemütlich. Beim Studium der Tapaskarte haben wir viel Spaß, denn mein Spanisch reicht nicht, um alles zu übersetzen. So bestellen wir Verbena de Pintxos und einen Ensalada del chief mit lechuga, tomate, pulpo, salmón, anchovas y cebolla) – lassen wir uns einfach überraschen, was kommt! Dazu gibt es ein spanisches cerveza für Wolfgang und einen jugo des manzana für mich. Das Essen, das wir dann bekommen, sieht nicht nur gut aus, es schmeckt auch hervorragend! Die frischen Meeresfrüchte sind einfach ein Wahnsinn! Wir amüsieren uns aber über den Tapasteller, denn in der Mitte der vielen Köstlichkeiten liegt ein großer Haufen Chips! Die schmecken aber viel, viel besser, als die im Sackerl zuhause.

Wohl genährt setzen wir unseren Rundgang durch die Stadt fort. Die sehenswerten Baudenkmäler stehen nahe beieinander und daher erreichen wir nur einige Gassen weiter das Casa de la Villa aus dem 15. Jhdt. Das Rathaus besitzt einen Uhrturm, an dem zwei Holzfiguren (Calendura und Calendureta) die Uhrzeit anschlagen. Sie gehören zu den sympathischsten und beliebtesten Persönlichkeiten von Elx. Das Ajuntament ist das älteste Rathaus im gesamten Süden des Landes und wird auf das Jahr 1441 datiert. Erst als Warenbörse genutzt, kommt seit 1445 hier der Stadtrat zusammen.

Direkt neben der Parkgarage, in der wir unser Auto abgestellt haben, ist  der Alcàsser de la Senyoria, ein maurischer Stadtpalast, der vom 15. bis 19. Jhdt. Wohnsitz des Stadtadels war. Ein moderner Brunnen steht im krassen Gegensatz zu den vor kurzem restaurierten Überresten der Almohaden-Stadtmauer, die gleich dahinter angrenzt.

Bevor wir die schöne Stadt mit ihrem besonderen Flair wieder verlassen, fallen uns noch nette Kuriositäten auf. Das erste ist das grüne Manderl auf der Ampel – es beginnt nämlich zu laufen, wenn ihr Licht aufleuchtet. Dabei lernen doch bei uns die Kinder schon, das man nicht über die Straße laufen soll, oder? Sowas Süßes haben wir noch nie gesehen! Das zweite ist die Abrechnung in der Parkgarage: hier zahlt man nämlich nach Minuten!

Am Nachmittag setzt sich die Sonne so richtig durch und gut gelaunt setzen wir unsere Fahrt fort. Wir machen einen kurzen Abstecher zu den Dunas de la Guardamar. Ein wahrer Kontrast zu dem, was wir heute schon gesehen und erlebt haben, denn hier steht ein Ferienklotz neben dem anderen. Halleluja, da muss es sich zur Urlaubszeit abspielen und wahrscheinlich werden auf dem heute leeren Strand die Menschen wie die Sardinen nebeneinander liegen. Nichts wie weg!

Weiter des Weges in Richtung Alicante kommen wir an den Salines de Santa Pola vorbei. Schon seit dem 13. Jhdt. wird hier Salz gewonnen. Nicht weit von der Straße entfernt liegt ein weißer Haufen neben dem anderen. Die Salzlagunen bilden zusammen mit Staubecken und Sümpfen in den Flussniederungen auch ein wichtiges Vogelrevier an der spanischen Mittelmeerküste. In Schwärmen gleiten sie über uns hinweg und erfüllen die Luft mit ihrem Gekreische.

In Alicante parken wir unmittelbar im Hafen, der voll von „kleinen“ Booten und Schiffen ist. Schon die ersten Schritte aus der Garage machen wir auf der berühmten Explanada de España. Das Pflaster der palmengesäumten Flaniermeile besteht aus über 6,5 Millionen Marmorfliesen. Die drei Farben sind wellenartig verlegt, die zum Hüpfen einladen. Außerdem ist sie Treffpunkt der Alicantiner in den zahlreichen Restaurants und Bars.

Nachdem wir uns einen Plan in der Tourist Info besorgt haben, spazieren wir auf direktem Weg zum Ayuntamiento. Das spätbarocke Rathaus aus dem 18. Jhdt. hat eine 50 m lange Fassade, die von Zwillingstürmen umrahmt wird und einer mit Kacheln bedeckten Kuppel. Am Fuß der Haupttreppe ist die „cota cero“ – der Nullpunkt –  der als Bezugspunkt für die Berechnung der Höhe spanischer Orte diente. Unmittelbar vor dem Gebäude liegt ein weitläufiger Platz, den zu betreten aber eher gefährlich ist. Denn in kurzen Abständen schießen alle paar Sekunden meterhohe Wasserfontänen aus dem Boden heraus.

Eine der größten mittelalterlichen Festungen steht als nächstes auf unserem Plan, das Castillo de Santa Bárbara. Sie thront auf dem 166 m hohem Monte Benacantil und ist entweder per Straße oder mit einem Lift, der nach einem 194 m langen Tunnel an der Rückseite erreichbar ist. Nach kurzem Herumirren in der Stadt finden wir diesen Aufzug und darauf klebt ein Zettel mit der Aufschrift „Maquina de ticket averiada. Entrada Gratuita“. Da sagen wir doch glatt DANKE, denn die Auffahrt bekommen wir sogar mit einem Liftboy! Die Burg besteht aus drei verschiedenen Teilen: der am höchsten gelegene ist zugleich der älteste (11. bis 13. Jhdt.), der mittlere stammt aus dem 16. Jhdt. und der letzte Bereich aus dem 18. Jhdt. Es bläst zwar aus vollen Rohren hier oben, aber die Aussicht ist einfach ein Wahnsinn. Das Häusermeer sieht irgendwie unwirklich aus, aber aufgrund der fast einheitlichen Farben wirkt es sehr harmonisch. Dazwischen sind die Kirchen und auch die Stierkampfarena sehr gut auszumachen. In der Arena, die 1849 erbaut wurde, finden zum Leidwesen der Tierschützer, noch heute Stierkämpfe statt.

Als es uns dann aber doch zu kalt wird, legen wir den gleichen Weg wieder zurück in die Altstadt. Die Kathedrale San Nicolás ist die Hauptkirche Alicantes. Sie wurde 1662 in einer Mischung aus Renaissance und Barock fertig gestellt. Auf uns macht das Innere keinen besonderen Eindruck, denn sie wirkt sehr schmucklos und nüchtern.

Dicke Wolken haben mittlerweile die Oberhand gewonnen, es ist windig, die Zeit schon etwas fortgeschritten und uns brennen die Füße – das sind doch Gründe genug, den Tag für heute zu beschließen. Wir schlendern zur Parkgarage und auf geht´s auf die autopista.


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