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Pünktlich um 10:00 Uhr erwartet uns Gerda vor ihrer Haustür. Sie ist heute unser persönlicher Guide und wird uns Valencia präsentieren. Wir freuen uns schon sehr darauf, zumal das Wetter heute wieder traumhaft ist. Mit der Metro fahren wir bis zur Plaza del Ayuntamiento und uns verschlägt es im wahrsten Sinn des Wortes die Sprache. Es ist so schön hier – die aufgefädelten prächtigen Gebäude sehen einfach atemberaubend aus, wobei das Regierungsgebäude den Platz dominiert. Noch bevor wir uns aber dem Gebäude widmen, sticht uns das Kreuz aus Blumen direkt neben dem Eingang ins Auge. Am ersten Maiwochenende wird hier das „Cruz de Mayo“ gefeiert, das seinen Ursprung im katholischen Glauben hat. Während ursprünglich die Lobpreisung des Christlichen im Vordergrund stand, ist es heute der künstlerische Aspekt. Es entstand ein Wettbewerb um die schönsten Maikreuze und auf fast jedem Platz findet man ein Blumenkreuz. Gerda befragt einen Sicherheitsbeauftragten über das Kreuz vor dem Rathaus. Nachdem wir nun von dem Fest wissen, macht er uns darauf aufmerksam, dass wir auch das Innere des Gebäudes besichtigen dürfen. Nach einer kurzen Kontrolle unseres Rucksackes steigen wir über eine breite Marmortreppe hoch bis zum schillernden Festsaal. Er strahlt Eleganz und Stil aus und wir können uns fast nicht losreisen. Einen Raum daneben hat man das Gemeindemuseum eingerichtet, wo alte Dokumente, Uniformen und Fahnen ausgestellt sind. Klein, aber fein.

Nicht weit vom Ayuntamiento entfernt liegt direkt neben der Stierkampfarena die Estación del Norte. Der 1917 im Jugendstilbau errichtete Bahnhof gehört zur Strömung der Wiener Sezession. Die symmetrisch angelegte Fassade mit ihren beiden Türmen an den Enden des Gebäudes weist zahlreiche florale und farbige Schmuckelemente auf. Die Eingangshalle wurde liebevoll wieder zu ihrer ursprünglichen Pracht restauriert und erinnert an die gute alte Zeit. Die üppige Dekoration mit farbigen Keramiken und hochwertigen Mosaiken im gesamten Schalterraum fesselt unsere Aufmerksamkeit. Einfach wunderschön zum Ansehen und Wohlfühlen in dieser heimeligen Atmosphäre!

Doch wir reißen uns los und spazieren weiter des Weges zu unserem nächsten Ziel, dem Mercado Central. Heute halten wir uns aber nicht lange darin auf, denn wir haben uns den Markt ja am Montag schon näher zu Gemüte geführt und die Genüsse in uns aufgesaugt.

Auf der gegenüber liegenden Straßenseite befindet sich die Lonja de la Seda, eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Seidenbörse wurde 1469 als Ölmarkt gegründet und von 1482 bis 1533 umgebaut. Dominiert wird die Lonja von einem mit Zinnen versehenen Turm. Sie wird in vier Bereiche eingeteilt, wobei der Säulensaal die eigentliche Seidenhalle darstellt. Klein wie Ameisen fühlen wir uns darin und zugleich sind wir vom Ambiente überwältigt. Von diesem Saal aus erreichen wir direkt den Orangenbaum-Innenhof, einen kleinen netten Garten. Unser Rundgang endet wieder im Säulensaal. Seinerzeit wurde nicht nur mit Seide, sondern auch mit Keramik und Korn hier gehandelt. Heute wird in der Lonja noch an Sonntagen gefeilscht und zwar Briefmarken und Münzen. Außerdem werden die Räumlichkeiten auch für Konzerte genutzt. Sie befindet sich seit 1996 auf der Liste der UNESCO Kulturerben.

Das nächste Highlight des Tages ist die Plaza de la Reina mit der Kathedrale. Mit dem Bau des Gotteshauses wurde 1262 auf den Grundmauern einer alten Moschee begonnen und wurde bis Ende des 18. Jhdts. oftmals umgestaltet. Heute präsentiert sich die Kirche als Stilgemisch von Gotik und Romanik mit barocken Zutaten. Das Wahrzeichen der Stadt ist ihr achteckiger Turm, der El Miguelete aus dem 14. Jhdt. Wir erklimmen die 207 Stufen bis zur Aussichtsplattform und der gigantische Rundumblick lohnt die Mühe. Ein wunderschönes Häusermeer, die blauen Fliesenkuppeln der Kathedrale, das Stadium, die Ciudad de las Artes y las Cièncias, die Turia – es scheint als sähe man bis zum Horizont. Gerda zeigt uns auch das Haus, in dem sie wohnt. Von hier oben sieht auch die Ein- und Ausfahrt der Parkgarage, die inmitten des Platzes liegt, toll aus. Wie auf einer 8 kurven die Autos in bzw. aus der Garage. Rundherum ist alles bewachsen mit Büschen und Blumen. Wir sind ganz versunken in die Aussicht, als plötzlich die 7.514 kg schwere Glocke zu läuten beginnt. Zu unserem Glück gibt sie aufgrund der Uhrzeit aber nur einen einzigen Schlag von sich, aber der war heftig genug.

In einer Kapelle seitlich des Einganges befindet sich ein sehr kostbarer goldener Kelch. Es soll sich dabei angeblich um  den Hl. Gral aus dem 1. Jhdt. vor Chr. handeln – wieder einmal, denn wir waren im Laufe unserer Reisen schon mehrmals an Orten, wo der Hl. Gral aufbewahrt wird. Wir werden es nie wissen, welcher davon der echte ist!

Als uns der Hunger plagt, führt uns Gerda ins Barrio del Carmen. Viele kleine verwinkelte Gassen und beeindruckende Fassaden charakterisieren das Altstadtviertel, das voller historischer Gebäude, aber auch moderner Cafés und Bars ist. Restaurierte Häuser stehen neben sichtlich gealterten und zaubern ein unvergleichbares Flair – ein Stadtteil voller Kontraste, der sich bis zum Flussufer der Turia erstreckt.

Das Bilderbuchwetter ermöglicht es uns, dass wir uns im Restaurant „El Rall“ ins Freie setzen können. Wir bestellen uns natürlich eine Paella de Marisco (mit Meeresfrüchten). Die zwanzig Minuten Wartezeit lohnen sich, denn wir bekommen eine riesige Pfanne. Einfach ein Gedicht, da erübrigen sich alle Worte! Das trifft auch auf den frisch gepressten zumo de naranja natural zu und erst jetzt weiß ich wirklich, wie eine Orange schmeckt!

Mit vollen Bäuchen setzen wir unsere Tour durch die Stadt fort. Nächstes Ziel ist die weitläufige Plaza de la Virgen mit der Basilica de la Virgen (Kirche der Heiligen Jungfrau) und einem imposanten Brunnen. Der Brunnen von 1976 stellt den ehemals durch Valencia fließenden Turia Fluss dar und die acht Frauen symbolisieren die maurischen Bewässerungskanäle, die das Umland erst fruchtbar machten.

In einem gemütlichen Café bestellen wir uns einen Espresso und beobachten das Treiben um uns herum. Von Wahrsagern, über Bettler und Losverkäufer bis hin zu Musikanten finden wir hier alles. Und was zu einem schönen, großen Platz auch gehört sind natürlich die Tauben. Im Schwarm von „normalen“ Tieren läuft eine bunte im Haufen mit. Würde uns interessieren, ob das eine spezielle Gattung ist, oder ob sich da ein Künstler zu schaffen gemacht hat! Sie sieht auf jeden Fall lustig aus.

Den Abschluss des ereignisreichen Tages macht ein Spaziergang durch die Turia-Gärten. Früher floss der Río Turia durch die Stadt Valencia und starke Regenfälle führten mehrmals zu einer drastischen Erhöhung des Wasserstandes. Am 14. Oktober 1957 kam es dann zu einer Überschwemmung der gesamten Innenstadt. Daraufhin wurde in den 1960er Jahren der Fluss im Stadtbereich in ein neues, am Süden der Stadt entlang führendes Bett umgeleitet. Das 8 km lange und etwa 200 m breite Flussbett wurde trocken gelegt. Es folgten Jahrzehnte dauernde Diskussionen und erste Pläne hatten eine Nutzung als Autobahn vorgesehen. Im Oktober 1981 erhielt der katalanische Architekt Ricardo Bofil den Auftrag für die Planung eines Großparks, nachdem sich eine Bürgerinitiative durchgesetzt hatte. 1985 war dann Baubeginn und Valencia erhielt seine „Grüne Lunge“.

Wir schlendern also in einem ausgetrockneten Flussbett, das in einen großen Garten verwandelt wurde, unter den Brücken hindurch. Es wurden abschnittsweise Schwerpunkte gesetzt, sodass Spaziergänger, Jogger, Radfahrer, Sportler, Kinder, Polizisten auf Quads, einfach alle auf ihre Rechnung kommen. Die schattenspendenden Bäume, Rosengärten, Palmenhaine, Plätze und Wasserspiele sind bei den Valencianos sehr beliebt. Selbst auf die ganz Kleinen wurde nicht vergessen – eine großzügige Spielanlage in Form eines überdimensional großen Gullivers wurde geschaffen. Beim Anblick des Riesen werden auch wir Erwachsene wieder zu Kindern! Da Gerda leider nicht mehr sehr viel Zeit hat, müssen wir aber heute auf das Spielen verzichten. Das nächste Mal dann, versprochen!

Am Ende des Parks, bei den Wasserspielen vor dem Palau de la Musica können wir im Hintergrund schon das kugelförmige Dach des Palacio de las Artes, einem Teil der Ciudad de las Artes y las Ciencias, erkennen. Futuristische, aber wunderschöne Gebäude aus Stahlkonstruktionen und weißen Azulejos, umgeben von Millionen Litern von Wasser – das ist die Stadt der Künste und Wissenschaften. Der totale Kontrast zum historischen Kern von Valencia, aber nicht minder sehenswert. Sie liegt am Ende der trocken gelegten Turia und wurde von 1991 bis 2006 erbaut. Entworfen vom Architekten Santiago Calatrava und im Juli 1996 eröffnet. Der prächtige Rosengarten vor dem Palau des las Arts, dem Kunstpalast, bringt mich in großes Verzücken. Die Vielfalt der Farben und Düfte ist berauschend und wenn jetzt nicht wieder die abendlichen Wolken den Himmel bedecken würden, dann ergäbe das auch die perfekte Fotokulisse. Aber wir wollen ja nicht jammern – Hauptsache es bleibt trocken!

Leicht versetzt das L´Hemisfèric, ein 90 m langer und 50 m hoher Bau, der durch die Spiegelung im umliegenden Wasser wie ein riesiges Auge wirkt. Ein Mechanismus kann das „Augenlid“ öffnen und schließen. Im Inneren befindet sich ein 3D-Kino mit einer 900 Quadratmeter großen Leinwand. Daneben liegt das Museu de les Ciències, ein Wissenschafts- und Technologiemuseum, das zum Anfassen einlädt. Zu guter Letzt noch das L´Oceanogràfic, das wir am Montag schon unsicher gemacht haben.

Ein letztes Foto noch – mit schwarzem Hintergrund, sieht ja auch mystisch aus – und dann stapfen wir zur Straße hoch und halten uns ein Taxi an. Wir liefern Gerda wieder wohlbehalten zuhause ab. DANKE für die tolle und interessante Tour durch Valencia. Es gäbe ja noch so viel anzusehen in dieser wunderschönen Stadt – ein Grund wieder mal zu kommen, wer weiß?

Als wir in der Parkgarage bei unserem Auto ankommen, sehen wir, dass es einen Platten hat. „Mierda (Sch….)“! Wir fahren aus der Garage hinaus und wechseln den Reifen an einem Straßenrand. Was wir nicht gleich gesehen haben – wir verparken eine Ausfahrt. Als zwei Damen dort rausfahren möchten, tja, da blockieren wir sie. Bei uns zuhause hätte das ein herrliches Hupkonzert ausgelöst – hier aber stellen die beiden Damen den Motor ab und warten, bis wir fertig sind. Wo gibt´s denn das? Nach einem kurzen Anruf bei der Autovermietung teilen sie uns mit, dass wir kommen sollen. Dort wird ohne langes hin und her das Auto einfach ausgetauscht. Das haben wir auch noch nie erlebt, aber total super! Also, Goldcar Rental können wir wärmstens weiter empfehlen.

Geschafft, aber voll mit Eindrücken und vielen, vielen Fotos erreichen wir wieder unsere Unterkunft in Pego.


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