Wir brechen gegen 14:45 von Daheim auf, holen für uns beim Billa Futter für das Wochenende und füttern danach auch Henrik (unseren neuen Campervan) mit ein wenig Diesel. Wolfgang hatte schon den Schlauch mit Benzin in der Hand… das hätte eine Magenverstimmung gegeben🫣.

Die Anreise in’s Burgenland dauert gut 3 1/4 Stunden – es sind viele Mittelstreifenfahrer unterwegs und die zahlreichen Baustellen tragen auch ihren Teil zum Stau bei.

Das Burgenland empfängt uns mit einem traumhaft schönen Bild aus weiten Flächen voller Sonnenblumen- und Weizenfelder, die in der Abendsonne strahlen.

Punkt 18 Uhr treffen wir bei Ines ein, die uns gleich auf unseren Stellplatz vor ihrer Wohnung einweist.

Zum Abendessen entführt uns Ines zum Mostheurigen in Wiesmath – ein traditioneller Familienbetrieb mit über 100 Milchkühen – ein sehr schöner Hof. Das Essen ist traumhaft g’schmackig – leider haben wir so großen Hunger, dass keine Zeit für ein Foto bleibt.

Auf Ines Empfehlung fahren wir zur Ruine Landsee, einer der größten Burgruine Mitteleuropas.

Auf dem Parkplatz sehen wir, dass wir wahrscheinlich die einzigen Besucher sind. So haben wir die mächtige Anlage für uns alleine. Der Zugang zur Burg führt uns über die Holzbrücke zum ersten Burgtor. Nach den ersten Schritten sind wir schon begeistert. Über einen mächtigen Burggraben geht es weiter vom zweiten zum dritten Tor. Immer wieder erfährt man auf den zahlreichen Schautafeln Wissenswertes über den Aufbau der Burg. Der Höhepunkt ist der große Wohnturm, von dem eine weite Fernsicht bis in das Gebiet von Sopron, zum Südteil des Neusiedler Sees und in die Bucklige Welt möglich ist.


Und weil es so schön war, gehen wir den Mida Huber Wanderweg, der großteils durch den Wald führt. Wir taufen ihn Widderchen-Wald, da unzählige der hübschen Insekten unserer Wanderung begleiten.

Angekommen an der St. Florian Kapelle stapfen wir weiter hochwärts zu den Ruinen eines Kamaldulenserklosters. Mitten am Berg stehen die hohen Seitenwände der Klosterkirche, von den Bäumen überwachsen, sodass man sie fast nicht sieht. Von den Klausen der Einsiedler sind nur noch vereinzelte Mauerreste erhalten.

Wir treffen uns mit Michael und Gerti am Campingplatz in Rust und schlagen dort für 1 Nacht unsere Zelte auf.

Mit den Taxi geht es dann zum Steinbruch in St. Margarethen zur Oper „der fliegende Holländer“. Gleich nach dem Einlass stürmen wir eine Essens-Ausgabestelle und bestellen und Dreierlei von Karfiol mit fermentiertem Pfeffer für Sabine und eine Rinder Rust für Wolfgang und als Nachspeise Kirschkuchen. Dazu noch ein Glas Rosesekt von Weingut Esterhazy – ausgezeichneter Stoff.

Um 19:45 geht es danach mit der gebuchten Bühnenführung hinter die Kulissen des imposanten Bühnenbildes. Wir erfahren von Chef Techniker persönliches viel interessantes Hintergrundwissen zum Steinbruch und den Herausforderungen, ein solches Stück mit einem riesigen Geisterschiff in dieser dramatischen Kulisse zu inszenieren.

Pünktlich um 20:30 fängt das Stück von Wagner an und fesselt uns durch seine Musik und die visuelle Integration des Steinbruchs als „Leinwand“ für spektakuläre Lichtinstallationen. So werden sie Szenen, die sich im Haus des Seefahrers an der norwegischen Küste abspielen, mit einer Kamera auf die Wand des Steinbruchs übertragen. Das Geisterschiff fliegt auf die Bühne und entfaltet dabei seine großen Masten. Und im Schlussakt stürzen virtuellen Sturzbäche über die Klippen, da alles in einem gewaltigen Sturm endet.

Schwer beeindruckt verlassen wir mit den anderen 4.600 Besuchern den Steinbruch und warten auf unser Taxi, das uns zurück zum Campingplatz Storchennest chauffiert.

Gegen 08:30 am nächsten Tag treffen wir uns mit Michael und Gerti zum gemeinsamen Frühstück und planen den Verlauf des weiteren Tages.

Zuerst fahren wir zurück an den Ort der gestrigen Handlung und nehmen um 10 Uhr an der Führung durch den Steinbruch teil. Der ganze Raum sieht heute, ohne die vielen tausenden Menschen, ruhig und beschaulich aus. An den Sandsteinwänden sieht man Muschelreste eines alten Meeres, aus dem der Steinbruch entstand. Immer tiefer steigen wir nun hinab bis zum Grund des Steinbruches und bekommen viele interessante Informationen erklärt. So wird heuer hundertjähriges Passionsjubiläum gefeiert, da die ersten Passionsspiele, mit denen die Festspiele begannen, vor genau 100 Jahren von zwei Soldaten, die gesund aus dem Krieg zurückkehrten, in einem alten Bauernhof inszeniert wurden.

Danach brechen wir auf nach Rust und bekommen das nächste Spektakel geboten. Auf allen Rauchfängen der Stadt sind die Storchennester voll belegt. Die jungen Störche testen ihrer Flügel bereits bei den ersten Flugversuchen. Storcheneltern umkreisen hoch oben die Stadt auf der Suche nach Futter für ihre Jungen. Überall hören wir lautstarkes Schnabelklappern.

Nach dem ausgezeichneten Mittagessen kaufen wir noch roten und weißen Traubensaft und packen noch eine Kiste süße rotbackige Marillen ein.

Danach geht die Reise weiter zur Waldmühle in Kobersdorf, wo wir für heute den Stellplatz gebucht haben. Beim Aufbruch aus Rust scheint noch die Sonne, aber kurz danach geht die Welt in einen riesigen Wolkenbruch unter. Wir tauchen unter den Wassermassen durch und schon nach einer halben Stunde ist der Spuk auch wieder vorbei.

Die Waldmühle finden wir zwar ohne Probleme, aber der avisierte Stellplatz für unsere zwei großen Vans entpuppt sich als kleine überwachsene Ausbuchtung bei einem Wasserlauf. Noch dazu ist der Großteil des Platzes bereits durch eine VW Bus blockiert. Die beiden Besitzerinnen bekunden zwar ihre Bereitschaft, sich platzschonender umzurangieren – aber wir versuchen doch unser Glück am Parkplatz des Naturpark Badesees ein paar Minuten die Straße weiter.

Geschafft von den drei Tagen legen wir am Nachmittag eine Ruhepause ein und probieren die Schlafposition unserer neuen Campingsessel auf.

Gegen 20 Uhr schwingen wir uns auf unsere Bikes und radeln die 10 Minuten hinunter zum Schluss Kobersdorf. Bei der Abendkasse werden wir mit großen Augen bestaunt – wir scheinen die ersten Gäste der Festspiele zu sein, die mit dem Rad anreisen. Die heutige Vorstellung ist speziell für Biker – aber damit sind die Motorräder gemeint, nicht unsere eBikes.

„Geschichten aus dem Wienerwald“ von Ödön von Horváth steht heuer am Spielplan der Schlossfestspiele. Ein schwer verdauliches Stück, aber hervorragend gespielt und inszeniert.