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Jeden Tag wieder wundern wir uns, warum die Menschen hier trotz bedecktem Himmel und kühler Brise mit kurzen Röcken, Tops und Flip Flop herumlaufen. Heute hat die Mami das Sandküberl und das Schauferl auch noch mitgenommen. Doch mittlerweile haben wir gelernt, dass sie für uns als Wettervorhersage dienen. Mal sehen, ob´s heute auch funktioniert – die letzten Tage ist es auf jeden Fall so gewesen. Die Insulaner wissen schon morgens, wie das Wetter sich verändert.

Nach einer halben Stunde Überfahrt erreichen wir die Insel Herm, die kleinste der bewohnten Kanalinsel. Wir betreten über die Rosière Steps – weiße Treppen mit Torbogen – die Insel. Tja, wie war das mit der Strandkleidung – es hat zu nieseln begonnen. Was soll´s, wir haben unsere Windjacken an und kalt ist es ohnehin nicht hier. So genießen wir das hübsche Ambiente, das uns hier begrüßt. Auf der Insel fahren keine Autos und ist daher ein wahres Naturparadies. Sie ist auch eine eigenständige Gemeinde von Guernsey, aber an Privatpersonen verpachtet. Herm verdankt ihre jetzige Schönheit dem neuseeländischen Ehepaar Wood, die die Insel 1949 nach den Kriegswirren pachteten. Jenny Wood verstarb 1991 und ihr folgte Peter 1998. Ihre Grabstätte befindet sich heute im Garten der St. Tugal´s Chapel. Der winzige Bau stammt aus dem 11. Jhdt. und Peter Wood hat bis zu seinem Tod dort den halbstündigen Sonntagsgottesdienst selber abgehalten, da es keinen Pastor auf der Insel gibt. Der Glockenturm steht separat unmittelbar neben der Grabstätte. Die Kapelle gehört zum sogenannten Manor, dem Herrenhaus, wo die Pächter wohnen. Die kleinen Granitgebäude stammen aus dem 15. Jhdt. und sind hübsch mit Blumentöpfen geschmückt.

Wir schlendern den Woodland Walk weiter und kommen in ein richtiges Dickicht an Bäumen, Büschen und Pflanzen. Die sattgrüne Vegetation auf beiden Seiten wird farblich unterbrochen von den Blüten der Fuchsienbüschen und den fast verblühten Blauglöckchen. Erinnerungen an Australien kommen in uns hoch, denn hier gedeihen auch prächtige Eukalyptusbäume.

Mittlerweile hat es zu regnen aufgehört, also ist die Sommerkleidung doch das richtige. Wir erreichen die Belvoir Bay, einen der schönsten Strände auf der Insel. Aufgrund des bewölkten Himmels ist heute hier noch nix los und auch wir wandern weiter die Küste entlang.

Die Hügel sind hoch hinauf mit Geißblatt bewachsenen, deren Blüten süßen Duft verströmen. Wir beobachten auf den vorgelagerten Felsinseln die Vogelwelt. Schwarze Kormorane breiten ihre Flügel zum Trocknen aus, Möwen ziehen ihre Kreise und Austernfischer machen ihre Körperpflege in einem natürlichen Pool. Wir halten Ausschau nach den Puffins, aber wo sind sie? Nicht weit von hier liegt die Puffin Bay, aber die Papageientaucher sind alle ausgeflogen. Schade, wir hätten diese seltenen Vögel gerne mal gesehen.

Inzwischen hat die Sonne ihre Arbeit aufgenommen und da wandert es sich doch gleich viel lieber. Wir erreichen den Shell Beach, der berühmt ist für seine Länge und einen erstaunlichen Muschelreichtum aufweist. Durch den Golfstrom werden Muscheln, auch exotische von weit her angeschwemmt. Hier finden wir auch die Mama mit dem Kind wieder, das emsig mit der Schaufel im Sand gräbt. Nicht weit daneben, ein junges Liebespärchen, das eng umschlungen den Tag dahin treiben lässt. Auch wir verweilen eine Zeitlang hier, legen mit kleinen Muscheln Schriftzüge in den Sand, die kurz darauf von den Meereswellen wieder weg geschwemmt werden. Und das noch bevor ich mein Foto gemacht habe, so eine Sauerei. Also, alles von vorne, nur dass ich jetzt den Sicherheitsabstand zu den Wellen vergrößere. Die Mühe lohnt sich, denn das Bild ist wirklich hübsch.

Um 14:30 Uhr nehmen wir das Boot zurück in den Hafen von Guernsey. Uns wird zum ersten Mal bewusst, wie klein die Kanalinseln wirklich sind, denn auf der Fähre treffen wir das Wiener Pärchen von der Anreise wieder.

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